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Resümee ziehen …

und dankbar sein.

Viele von Ihnen schreiben mir, wie sehr Sie mit uns mit gelitten haben in der schweren Zeit der letzten Jahre. Und weiß der Himmel, es waren wirklich nicht immer leichte Tage.

Ich möchte mich bei Ihnen allen bedanken, die mir im Hintergrund immer wieder Mut zugesprochen haben, das bedeutet mir viel! Nein, keine Bange, ich verabschiede mich erst nach der Scheidung – nur so als Zwischenfazit möchte ich das einfach mal sagen.

Ich ertappe mich seit einiger Zeit eh dabei, immer wieder zurück zu gucken – nicht auf den Menschen, der 20 Jahre neben mir lag, sondern auf mich, mein Leben und wohin es mich geführt hat.

Wie so oft in meinem Leben stellt sich dabei heraus, wofür das alles gut war. Und es war tatsächlich alles im Nachhinein das Beste, was geschehen konnte – so furchtbar einiges auch war.

Ohne den Tod meiner Mutter wären wir zum Beispiel nicht hier. Wir hätten nie die Chance auf einen so kompletten Neustart gehabt in diesem Maße. Meine Tochter hätte nie die Ausbildung zur Modedesignerin machen können. Mein Sohn wäre auch nicht da, wo er heute ist. Es war gut so, wie es war. Und es war noch besser, weil mein Ex damals längst weg war und ich entscheiden konnte, wie ich das wollte.

Ich hätte meine Ausbildung so oder so gemacht , alleine hier oder mit ihm im Kaff – aber ohne den Umzug wäre ich nicht bei diesem Arbeitgeber und auf der Position, auf der ich heute bin. Ich bin nie gerne zur Arbeit, hab mich nie wohl gefühlt in einem Job, hab alles nur gemacht, weil es bezahlt wurde und wir das Geld dringend brauchten … bis zu der Umschulung, während der ich mich von meinem Ex getrennt habe und die er mir vorher noch so vehement ausreden wollte – und auf die ich nur deswegen bestanden habe, weil sie ausnahmsweise einmal wirklich wichtig für mich und zwar nur für mich war. Heute gehe ich gerne arbeiten, mache freiwillig Überstunden; ich erfahre eine solche Anerkennung dafür, das hatte ich noch nie ( und kämpfe deswegen oft genug mit Selbstzweifeln, weil ich immer nah dran bin zu denken: das hast du gar nicht verdient … – aber das wird besser; denn doch, ich hab mir das verdient! ). Noch eine Weiterbildung und ich bin genau da, wo ich hin wollte und die hab ich nächstes Jahr – ich weiß, dass ich da richtig toll drin bin. Ja, ich musste es mir hart erarbeiten, immer bereit sein, mehr als andre zu leisten und musste mehr als einmal beweisen, dass ich es wirklich drauf habe, weil ich nunmal schon 50 bin …. und ja, es ist Eigenlob – ich darf stolz auf mich sein und es hat sich gelohnt.

Vor 15 – 10 Jahren hätte man mir diese Chancen auf dem Silbertablett prasentieren können … ich fürchte, wenn ich ehrlich zu mir bin, ich hätte sie nicht ergriffen. Viel zu gefangen war ich damals in den Fesseln, die andre mir anlegen konnten und die ich selbst immer enger zog, je länger ich darin verharrte. Und da waren auch die Kinder zu klein und mein Ex im Schichtdienst und ich auch noch Schichtdienst, das geht doch nicht und wer passt dann auf und überhaupt ( wer etwas nicht wirklich will, findet Gründe, warum es nicht geht – statt nach Wegen zu gucken … Wege suchen kann ich erst seitdem er weg ist ).

Ich hatte weder den Mut noch den unbedingten Willen, etwas zu erreichen – ich war schon froh, wenn wir täglich genug zu essen hatten, das war auch bequemer für mich so. Ich war selbst schuld – hätte ich mehr auf mich und meine Bedürfnisse geachtet, hätte ich mehr Durchsetzungsvermögen oder mehr eigene Meinung besessen … hatte ich damals aber nicht. Stattdessen hab ich versucht, mir das fehlende Rückgrat anzufuttern. Hat nicht funktioniert, ich wurde nur fett davon.

Der unsichtbare Kampf gegen die Fesseln hat mich allerdings auch stark gemacht. Stärker als ich je dachte und mir wurde ein großes Geschenk zuteil – ich durfte mich selbst nochmal neu kennenlernen und entdecken, was und wie ich wirklich bin.

Mein Ex hat mir gerade noch rechtzeitig den Boden unter den Füssen weg gezogen – ohne das hätte ich nie begriffen, wozu ich fähig bin. Im positiven als auch im negativen Sinn.

Hätte er sich nicht immer darauf verlassen, dass ich jeden Ärger abfange und löse – ich hätte niemals so viel gewusst, wie ich wissen musste, um klar zu kommen.

Hätte er mich nicht jahrelang wie Dreck behandelt – in mir wäre nie genug Hass gewachsen, wie nötig war, um ihm einen Arschtritt zu verpassen. Dazu hatte ich viel zu lange viel zu viel Angst vor ihm und seinen Gewaltausbrüchen; und viel zu wenig Kraft, um mich zu wehren.

Heute glaubt mir niemand, wie alt ich bin. Niemand glaubt, wie sehr ich mich untergeordnet habe oder wie dick und unglücklich ich war – mein Ausweis ist samt Foto ein Beweis, dass es nie zu spät ist, um sich zu ändern.

Sicher ärgere ich mich nach wie vor an jedem Monatsersten, dass die Schulden nicht wirklich weniger werden, solange er nicht dran mit zahlt. Aber so what – das ist nur Geld. Was ist das schon gegen das Glück und die Zufriedenheit, die ich spüre?

Ja, Karl-Ludwig ( ein Traum von einem Luxusbett; die einzig angemessene Schlafstatt für meine Majestät, nur leider inkl. Matratze mit knapp 4000€ noch in weiter Ferne ) wär schon lange bei mir eingezogen, wenn die Scheidung endlich durch wär und ich das Geld, das er mir schuldet, denn hätte ( ich hab mich entschieden – pfeiff auf die Schönheits-OP, ich bin 50, ich muss nicht mehr nackig aussehen wie 20! Von dem Bett hab ich entschieden mehr und das ist soooo toll – bis Ende 2022 hab ich die Kohle dafür aber auch ohne die Scheidung. Ich muss nur ein wenig länger warten, so lerne ich auf meine alten Tage auch noch, geduldig zu sein, obwohl mir das wirklich schwer fällt! ).

Ich wär allerdings wohl schon zum zweiten Mal geschieden, wenn ich nicht schon so lange auf die Scheidung warten müsste – der erste Mann, den ich nach der Scheidung geheiratet hätte, wär´s ja nicht gewesen. Wer weiß, wofür diese Warterei also noch gut sein wird 😉

5 Jahre ist es her ,….

… dass meine Kinder das letzte Mal ihren Vater gesehen haben.

5 Jahre, in denen er nicht ein einziges Mal nach ihnen gefragt hat, außer es ging um seinen Geldbeutel. 5 Jahre Verletzungen.

5 Jahre ohne Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke, ohne ein Lebenszeichen von ihm.

Und in all den Jahren war er trotzdem immer noch irgendwie in Abwesenheit im Hintergrund spürbar – auf eine vergiftende Art.

Ich war ja aber auch dabei – sein Schatten in ihrem Leben wurde zwar mit den Jahren immer kleiner, aber wie ein Pickel am Po dennoch da.

Dieses Jahr was das anders – von Anfang an. Es war einfach plötzlich richtig Weihnachten!

Schon beruflich war dieses Jahr überall Weihnachtsstimmung. Die Lohnerhöhungen quasi als Geschenk zu präsentieren, war schon genial. Da fiel es jedem leichter, mehr für Präsente für die Lieben daheim zu kaufen und das Herz wurde froher.

Besucher, die sonst eher unangenehm auffallen, brachten Dankeskarten, weil wir Personal fanden, das an Weihnachten freiwillig zusätzlich kam, um die Testungen und Kontrollen durchzuführen – damit die Bewohner nicht so ein trauriges Fest haben wie letztes Jahr. Dieses Jahr blieb der Frust da, wo er hingehört … zu den politischen Entscheidungen und das war richtig erholsam!

Und privat isses ja mal so richtig eskaliert!

Angefangen hat das, als mein Sohn ( ich bin vor Schreck fast vom Stuhl gefallen ) einen Weihnachtsbaum wollte. Hat er immer abgelehnt, war immer Part meiner Tochter, auf dem Teil zu bestehen! Und ich war so froh, dieses Mal endlich drumrum zu kommen! Tja, war nix.

Denn dieses Jahr steht hier ein echtes nadelndes klebriges Ungetüm – das klingt jetzt merkwürdig, aber das ist sowohl für die Kinder als auch für mich das allererste Mal im Leben, dass wir einen echten Baum haben; ich hatte als Kind nämlich auch nie einen. Man möge uns also in 50 Jahren das erste Mal diese Umweltsünde verzeihen – wir hatten das in diesem Jahr irgendwie einfach nötig. Und haben den halben Weihnachtsmarkt dafür leer gekauft, bevor er geschlossen wurde!

Dann stand ich freiwillig in der Küche! Ohne Zwang! Mein Sohn hat gebacken ( besser als ich übrigens! ). Seine Idee!! Da wurd´s mir schon arg besinnlich!

Außerdem waren wir das erste Mal aufgeteilt – irgendwie hatte das was von Übergabe eines Staffelstabes. Ich bin jetzt die „graue Eminenz“ in der Familie, sonst ist ja keine mehr unter uns. Ich werde mich langsam dran gewöhnen müssen, dass ich wirklich irgendwann Oma werde, ob ich mich dafür noch zu jung fühle oder nicht.

An Heiligabend waren die Kids mit ihren Partnern bei mir. Die Kinder waren am ersten Weihnachtstag bei ihren Schwiegereltern in spe ( die feiern zum Glück beide traditionell eh am 25.12., da gibt´s keinen Krach zwischen den Familien ), ich war bei meinem Partner und am 26. waren dann alle Lieblingsmenschen zum Wichteln da und damit die Zeit gekommen für meine Idee, was ich den Kindern ( die ja gar keine mehr sind ), so als Jux noch geschenkt hab. Weil ich nicht wusste, ob sie das auch so witzig finden würden wie ich, ging das nur als Wichtelgeschenk.

Einige meiner besten Freunde haben mich zu meinem 50ten Geburtstag nämlich offiziell zum gekrönten Haupt erklärt und dabei alles vereint, was mich irgendwie in Teilen ausmacht. Sie haben mich quasi zur Alleinherrscherin über ein kleines Fleckchen einer Kaffeeplantage in Kenia gemacht. Und ich darf sogar als „meine Majestät“ unterzeichnen, wenn mir danach ist!!

Endlich standesgemäß ! Fand sogar mein Chef, in internen Schreiben steht das jetzt in meiner Signatur. Der weiß halt, was er an mir hat, wir teilen den selben Humor 🙂

Nominell ist das natürlich nicht das Papier an der Wand wert, aber der ideele Wert für mich ist enorm, ich hab mich tierisch darüber gefreut! Mein Herz schlägt im Rhythmus der kenianischen Steppe oder Salsa; ohne Kaffe schlägt es gar nicht und königlich bin ich sowieso!

Als Königin habe ich natürlich auch entsprechende Nachkommen. Und folglich habe ich jetzt aus meinen kuzerhand ebenfalls Adlige gemacht. Einfach weil ich´s kann und weil ich die Idee eben total lustig fand ( tu ich immer noch ).

Wobei ich wirklich nicht im entferntesten daran gedacht habe, was das bei den Kids ausgelöst hat. Was als Gag gedacht war, entpuppte sich als Befreiungsakt der etwas anderen Art.

Der Blick beider nach dem Auspacken – schon Gold wert! Die Frage: Du hast uns jetzt nicht ernsthaft zu Graf und Gräfin von irgendwas gemacht ….. ODER???

( Doch liebe Kinder, hab ich. Ich weiß nur nicht, ob ihr euch darüber freut. ). Jetzt muss man wissen, dass unser Nachname gleichzeitig ein Vorname ist.

Startschuss!

Denn jetzt ging das los, was ich für mich so gerne als Geschwisterthelepathie bezeichne.

Meine Tochter fragt: kann ich das im Peronalausweis eintragen lassen? ( Ja, kannst Du, aber Du hast nix davon, das ist nur ein Scherz-Titel ).

Sohn: Macht nix, Hauptsache, es darf drin stehen und ich darf so unterschreiben. ( Warum?? Zum Angeben? )

Auch, aber nicht nur. ( ?????? )

Mein Sohn setzt nach: Eins Deiner Geschwister, die gestorben sind, hieß doch auch so wie wir mit Nachnamen? ( Jaaahaaaaa ….. auf was wollt ihr eigentlich raus??? )

Tochter: Das ist doch einer unserer Vorfahren, streng genommen ( ja und okay, so langsam werdet ihr mir unheimlich )

Im Chor: wenn wir beide samt dem Titel irgendwo unterschreiben, denkt jeder, das wäre unser dritter Vorname, wie geil ist das denn?????

Ich stand immer noch auf dem Schlauch.

Tochter: Mama, wir wollen schon so lange den Nachnamen ablegen, aber unsere Begründung genügt dafür doch nicht. Wir werden den doch nur bei Heirat los.

Sohn: jetzt ist der Name immer noch da, aber die Bedeutung haben wir gerade geändert. Wir ehren damit Oma und Opa. Und den Arsch können wir damit abschließend vergessen, ob ihr jemals geschieden werdet oder nicht.

Beide: Bestes Geschenk ever!

Jetzt habe ich endlich die Antwort auf die Frage, wie lange es dauert, um die Wunden auf den Seelen meiner Kinder endlich zu Narben zu schließen. Narben, die da sind, aber nicht mehr weh tun.

5 Jahre hat es gedauert – und so etwas einfaches war dafür nötig.

Vielleicht klappt es nächstes Jahr ja mit der Scheidung …… hören Sie auf zu lachen!! Ich denke mal, im verflixten 7ten Jahr vielleicht … 2023 … optimistisch geschätzt!

Kommen Sie gut ins neue Jahr!!

Absurd, absurder, Deutschland …

Des einen Freud, des andren Leid – vor ein paar Tagen habe ich erwähnt, dass die ersten Arbeitgeber mit spontanen Gehaltserhöhungen reagieren. Tja, die machen noch mehr…..

Die Deckelung des Eigenanteils für Pflegeheime ist noch nicht durch ….. und seit gestern werden Briefe an die Angehörigen und Betreuer verschickt mit einer Anpassung der Heimkosten. Im Schnitt 250€ mehr zu zahlen – monatlich, netto, in jedem Haus der Umgebung. Möglichkeit zur sofortigen Auflösung des Heimvertrags selbstverständlich gegeben. Nachtigall, ick hör dir trapsen …..

Viele wissen nicht, was das genau bedeutet. Ein kurzer Ausflug ins Heimrecht:

Heimplätze haben keine standadisierten Preise … was die Anbieter verlangen können, wird regelmäßig neu verhandelt, nebenbei auch über die Personalnebenkosten, die Sonderangebote wie eigene Fusspflege, Friseur in der Einrichtung, Ausstattung und solche Dinge. Die sollen durch den Personalschlüssel so geregelt werden, dass die Kosten nicht explodieren, das klappt aber seit Jahren schon nicht mehr. Gleiches gilt für die Zuzahlungen der Pflegekassen, beides hängt voneinander ab. Je höher der Pflegegrad – je höher die Kosten für alle Beteiligten, einschließlich des Pflegebedürftigen. Und je höher die Einnahmen eines Hauses. 10 Bewohner mit Pflegegrad ( kurz: PG ) 2 bringen im Schnitt lediglich einen Reingewinn von etwa 2000€ nach Abzug aller Kosten für die Einrichtung…. 10 Bewohner von PG 5 heißt: mehr Personalkosten auf dem Papier, Reingewinn etwa 10.000€. Lohnt sich mehr. Und kommt diesmal denen zugute, die schon lange darauf warten – dem Personal.

Hat man für einen Platz in einem Altenpflegeheim der Mittelklasse vor 10 Jahren noch einen Eigenanteil von 1000€ bei PG 5 zahlen müssen, waren es dieses Jahr schon 2300€ und im nächsten muss man 2550€ blechen. Aus der eigenen Tasche, wohlgemerkt, auch für einen Kurzzeitpflegeplatz. Da ist das, was die Pflegekassen usw dazulegen, schon abgezogen. So viel muss man erstmal gespart haben – und das nur für 4 Wochen! Im Grunde also kein Wunder, dass viele ein Pflegeheim mit einem 5 Sterne Hotel All In verwechseln – bei den Preisen.

Das führt wiederum dazu, dass die Einrichtungen ( die gefragt sind wie nie ), es sich raus suchen können, wer überhaupt noch aufgenommen wird. Am liebsten PG 5 ( der höchste Pflegegrad in Deutschland ), die machen weniger Arbeit als die mit niedrigerem PG ( die Menschen mit PG 5 sind voll bettlägerig, und meist nicht mal mehr in der Lage, sich mitzuteilen, haben also weniger Besuch und Ansprüche ….. die klingeln unter andrem nicht mehr, haben Katheter, Stomabeutel und eventuell sogar ne PEG – das wiederum entlastet das wenige noch vorhandene Personal enorm, trotz pflegerischem Mehraufwand; klingt komisch, ist aber so ).

Es ist bereits ein gerichtlicher Betreuer vorhanden, der das am besten beruflich macht – mit Angehörigen hat man mehr Probleme, weil die sich nicht auskennen und glauben, ein Altenheim würde sich um alles kümmern ( nein, tun sie nicht ).

Der Rentenbescheid muss deutlich über 3000€ monatlich aufweisen und abgetreten werden ( ja, es gibt wirklich noch Leute, die haben so eine hohe Rente ) oder bekommen bereits Sozialhilfe ( werden auch immer mehr ), da kommt man wenigstens an sein Geld ( die Heime sitzen auf Millionen von Kosten von zahlungsunfähigen ehemaligen Bewohnern, manche davon haben alleine Schulden um 6stelligen Bereich, verursacht durch unfähige Angehörige, Falschangaben ect die erleben die Schuldenfreiheit oft nicht mehr ).

Wartelisten haben die meisten abgeschafft, man kommt so schon kaum hinterher. Morgens stirbt jemand – wenn die Angehörigen fix sind, ist das Zimmer Abends wieder belegt. Schlimmer als auf dem Bahnhof, wenn alle Anzeigen ausgefallen sind …. und das Personal, die Neuzugänge vernünftig aufzunehmen, ist nicht da. Die Wünsche derer und der Angehörigen zu erfüllen – unmöglich, die können froh sein, wenn sie wenigstens 2-3 Fragen stellen können, zu mehr reicht die Zeit nicht. Frust auf allen Seiten – vorprogrammiert.

Und das ist noch längst nicht alles!!!

Folgende Zeilen werden derzeit verschickt von einem Unternehmen mit mehreren Einrichtungen – ich vermag nicht zu beurteilen, ob das Mut, ein Schrei nach Hilfe , ein Betteln um Kündigung seitens der Angehörigen oder einfach ein Zeichen von Schnauze-gestrichen-voll ist. Auf jeden Fall extrem geil vom jeweiligen Arbeitgeber, das zu bringen!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Angehörige, liebe Besucher,

wie Sie sicherlich bereits mitbekommen haben, mussten wir in den letzten Wochen unsere Besuchsregelungen anpassen, um den Corona-Regelungen des Landes entsprechen zu können.

Aufgrund der neuen Ländervorschriften sind wir gezwungen, dies erneut zu tun.

Um weitere unnötige Diskussionen künftig zu vermeiden, möchten wir Ihnen ausnahmsweise einen Einblick gewähren, was diese Vorschriften im Einzelnen für uns als Altenpflegeeinrichtung an Herausforderungen bedeuten. 

Denn all das, was wir momentan tun und von Ihnen verlangen müssen, dient nur einem einzigen Zweck: Ihre Angehörigen zu schützen und den Heimplatz auch künftig zu erhalten.

Zum einen: Wir MÜSSEN Sie vor jedem Besuch testen. Das ist uns vorgeschrieben – wir machen das nicht zum Spaß oder um Sie zu ärgern. Und Ihr Impftstatus interessiert uns nicht mehr, die meisten von Ihnen haben uns den vorher doch auch nicht vorweisen wollen! Unter anderem das hat ja erst zu dieser Vorschrift seitens der Länder geführt!

Wir würden die Zeit, die wir dafür aufbringen müssen, auch lieber da verbringen, wo wir hin gehören – nämlich nah bei Ihren Angehörigen. Leider sind wir aber zu diesem unbedingten Kontrollieren eines gültigen tagesaktuellen Testnachweises durch das Ministerium verpflichtet. In den bisher nachvollziehbaren Fällen waren es offenbar vielfach gerade die Besucher, die das Virus trotz Impfung wieder in die Einrichtungen Deutschlands trugen. Es ist daher auch in Ihrem Sinne, wenn wir darauf bestehen, dass Sie einen tagesaktuellen Testnachweis vorlegen müssen, um die Einrichtung zu betreten.

Dieser zeigt Sie BITTE BEACHTEN nur dann als „Positiv“ an, wenn die Viruslast sehr hoch ist, das heißt noch lange nicht, dass Sie absolut gesund sind!!!!!! Ist das wirklich so schwer zu begreifen?????

Denn auch wenn Sie nur einen einzigen Angehörigen bei uns besuchen – dieser hat danach Kontakt zu mehreren andren Bewohnern und kann daher als Krankheitsüberträger fungieren.

Unsere Bewohner müssen keine Masken tragen – und zumindest wir wollen, dass das auch so bleibt.

Daher müssen wir Sie erinnern, Ihre Ffp2-Masken während der kompletten Dauer Ihres Aufenthalts auch über der Nase zu tragen, nicht zu trinken und zu essen … denn Ihr Angehöriger darf Sie nur auf diese Weise ohne Mundschutz begrüßen und das ist zumindest nach unserer Ansicht begrüßenswert! Die meisten haben auch ohne Maske und Corona schon Probleme mit der Lunge!

Wir sind sogar dazu angehalten, Verstöße gegen diese Vorschriften sofort an das Ordnungsamt zu melden und ein Hausverbot auszusprechen, das wird teuer für Sie – das möchten wir gern vermeiden, wirken Sie bitte jeder von sich aus mit!  

Nicht nur Sie werden getestet – auch das komplette Personal wird vor absolut jedem Dienstantritt getestet, damit alle Risiken, so gut es möglich ist, vermieden sind.

Das Personal unterzieht sich dieser konstanten Testung übrigens bereits seit über einem Jahr ohne zu Murren – und zwar freiwillig, denn WIR sind uns unserer Verantwortung durchaus bewusst.

Und wir tragen diese Masken bis zu 8 Stunden täglich.

Und mit Verlaub: unser Arbeitgeber kennt unseren Impftstatus – Sie als Angehörige geht das einen feuchten Dreck an!

Wir wollen von unserer Seite aus die Anzahl der Schnelltests für Ihre Angehörigen auf ein erträgliches Mindestmaß reduzieren. Denn für ältere und eventuell demente Menschen ist das Stäbchen in der Nase nicht nur unangenehm wie für uns, sondern oft nahezu unerträglich. Und wir als Mitarbeiter lassen uns lieber fünfmal zu viel testen, als das Ihren Angehörigen auch nur einmal mehr als unbedingt nötig anzutun – denn wir wissen um die Gefühle, die dadurch bei vielen ausgelöst werden. Sie nicht, Sie sind nicht dabei! Sie sehen nicht die Angst in den Augen, aber WIR!

Der nächste Punkt betrifft die Besuchszeiten, erneut im Anhang, die von einigen von Ihnen scheinbar als völlig inakzeptabel empfunden werden.

Hierzu möchten wir Ihnen gerne einige Beispiele aus dem Frühdienst und dem Spätdienst des vergangenen Wochenendes nennen.

Es hatten sich längst nicht alle Besucher angemeldet oder waren gar pünktlich. Was dazu führte, dass die Pflege ständig unterbrochen werden musste. Die Pflege, die durch die Testungen bereits immens Zeit verliert, nebenbei angemerkt.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen gefallen würde, wenn Sie halbnackt im Bett lägen, um versorgt zu werden – und die Pflegekraft, die in diesem Moment ausschließlich für Sie da sein sollte, ständig raus rennt, weil es Besucher gibt, die offenbar nicht einmal 5 Minuten warten können, bevor sie Sturm läuten und die Pflegekraft dann auch noch beschimpfen, weil sie um Geduld bittet.

Oder wie fänden Sie es, wenn es Ihr Angehöriger wäre, der gerade in diesem Moment ganz dringend auf die Toilette muss und dort sitzen gelassen wird – weil ein andrer Besucher, der zwischen Testung und Ergebnis noch „kurz spazieren“ ging, plötzlich sofort und unbedingt lautstark in die Einrichtung will, weil er jetzt lang genug gewartet habe – und die Person, die da eigentlich auf Ihren Angehörigen aufpassen soll, damit es nicht zu einem Sturz kommt, stattdessen erstmal an die Tür geht, weil andre Bewohner durch den Lärm auch noch unruhig werden und sich ein Sturzrisiko daher vervielfacht?

Die Auswirkung dessen, was passieren kann, wenn wir eine sterile Wundversorgung unterbrechen müssen, weil wir ja in Ihren Augen eh „nur plaudern“ und Sie ja wohl nicht ungelegen kämen – zeigen wir Ihnen gerne mit bunten Bildern, das erleichtert Ihnen ein Verstehen unserer Arbeit mit Sicherheit! Eine Kotztüte stellen wir Ihnen gern dabei zur Verfügung! Eventuell hilft das gegen Ihre Ignoranz!

Und wenn das nicht reicht, lassen wir Sie gerne das Absauggerät reinigen, welches wir gerade bei dem Bewohner mit dem verstopften Tracheostoma benutzten, der ohne diese Maßnahme erstickt wäre – spätestens dann brauchen Sie die Kotztüte auf jeden Fall! Und dann sind sogar Ihnen Ihre Kartoffeln auf dem Herd egal!

Ab 12 Uhr gibt es bei uns Mittagessen und einige unserer Bewohner bekommen ihr Essen angereicht, da sie dazu nicht mehr selbst in der Lage sind – auch da möchte man als Pflegekraft nicht unterbrechen, weil das Essen sonst schlicht kalt wird und vor allem, weil die Gefahr, dass sich dieser Mensch genau dann verschluckt, wenn man seinen Platz verlässt, viel zu hoch ist. Aber da geht ja nur um ein Menschenleben, was ist das schon gegen Ihr Stresslevel??? Und wenn wir Menschen, die nach dem Essen müde sind, ins Bett helfen, haben wir keine Gelegenheit, noch zur Tür zu gehen – unsere Bewohner haben Vorrang und nein, wir lassen diese Menschen nicht im Lifter hängen, nur weil es Ihnen nicht schnell genug geht! Das gleiche gilt ab 17.30h für das Abendbrot und der anschließenden Unterstützung beim Schlafengehen. 

Ihnen als Besuchern dient NICHT UNSER HAUPTINTERESSE!!!

Sie merken: Wir hören es durchaus klingeln – wir können oder wollen in dem Moment nur nicht öffnen, weil wir andere Prioritäten haben als Sie!

Auch in unserer Einrichtung gibt es überraschenderweise sogar Notfälle wie Schlaganfälle, Diabetisches Koma ( wie bei der Diabetikerin, der wir laut schriftlicher Anweisung des Angehörigen mit den Vollmachten nichts zu essen geben durften, weil Sie angeblich gleich da wären und auswärts zum Essen gingen … und bei der uns niemand über die 2 stündige Verspätung informierte, wir aber davon ausgingen, dass sie schon weg ist – immerhin nimmt die Familie die Dame immer einfach mit, ohne uns Bescheid zu geben ), epileptische Anfälle oder Sturz und wir haben in einem solchen Fall Sorgfaltspflichten, die absolut nichts mit den Bedürfnissen von Ihnen als Besuchern gemeinsam haben! Und das Wissen um die Hilfsbedürftigkeit unserer Bewohner führt manchmal dazu, dass Sie warten müssen.

Sie wollen solche Sachen auf anderen Wegen einfach nicht wissen , Sie verurteilen lieber das Personal und wir wollen uns das nicht mehr gefallen lassen!

Ob Ihnen das gefällt oder nicht, ist uns ausnahmsweise völlig wurscht! Vor allem, weil Sie die Schuld dieses Mal nicht auf uns abschieben können, sondern sich an die eigne Nase fassen müssen! Wie einige von Ihnen inzwischen sehr wohl wissen, ist nicht alles immer nur unsere Schuld, gelle?!

Und so sehr Sie sich auch aufregen mögen – es geht uns manchmal einfach nur am Arsch vorbei, wie sehr Sie toben. Hinterher sagen wir Ihnen vielleicht, dass der Notfall ausgerechnet bei Ihrem Angehörigen war, das macht ein tolles schlechtes Gewissen bei Ihnen, wetten? Unter andrem, weil Sie diejenigen sind, die vieles verhindern hätten können.

Genauso wurscht ist es uns zeitweise auch, ob Ihre Tante einen Marmeladenfleck auf der Bluse hat, obwohl Sonntag ist – dann ziehen Sie die Dame halt mal selbst um, oder bricht Ihnen dabei ein Zacken aus der Krone?

Sie hören uns seit Monaten nicht zu, wenn wir Ihnen sagen, dass die Prothese dem Papa nicht mehr passt, nur ist eine neue Ihnen zu teuer und „die alte tut´s noch, die muss er unbedingt tragen, dann wird das schon wieder mit dem Sprechen“ – beschweren Sie sich jetzt nicht darüber, dass er die Dinger jeden Tag im Klo runterspülen will, weil er sich anders nicht mehr mitteilen kann und die Prothese schmerzhafte Druckstellen verursacht, wir haben Sie darauf hingewiesen! Sie wussten es besser, also leben Sie mit den Konsequenzen.

Denjenigen mit den ständig verschwundenen Hörgeräten, die immer die Versicherungsprämie wollen – wir haben die Versicherung in Kenntnis gesetzt. Kann sein, dass Ihr das komplett zurückerstatten müsst, aber sind ja nur 20.000€ in den letzten Jahren.

Nein, wir haben keine Apotheke, die uns am Wochenende Betäubungsmittel ohne Rezept liefert – Sie wissen schon seit Wochen auch schriftlich, dass die Packung zu Ende geht und es hat Sie nicht gekümmert! Und wir stehlen das bestimmt nicht bei einem andren Bewohner, damit würden wir uns strafbar machen! Sie sind die Betreuerin – also bewegen Sie Ihren Hintern!

Nein, der Dekubitus vom Opa wird nicht besser – Sie müssen den Pflegerollstuhl beantragen wie vor Wochen besprochen, Sie müssen das ja auch zahlen! Wir sind dazu gar nicht befugt, weil fucking nochmal wir dafür keine Vollmachten haben!! Ach, die haben Sie auch nicht, die hat Ihre Schwester 800km weit entfernt … tja, das ist nun wirklich extrem dumm, aber nicht unser Problem – wir können da auch nix machen.

Weihnachten letztes Jahr wiesen wir bereits darauf hin, dass Urgroßväterchen eine immer gefährlichere Hinlauftendenz entwickelt und Sie ihn dringend per richterlichem Beschluss in einer geschlossenen Einrichtung unterbringen sollen, weil wir eine Überwachung nicht gewährleisten können. Machen Sie uns jetzt keine Vorwürfe, dass ihn die Polizei schon mehrfach unterkühlt aufgegabelt hat!

Nein, wir können keine Telefone reparieren, rufen Sie Ihren Anbieter an! Ja, wir stellen Fernsehgeräte, aber nicht am Wochenende und nicht ohne Vertrag! Nummern gibt es zu den üblichen Geschäftszeiten über die Verwaltung.

Ja, wir fragen Sie, ob wir Ihrem Vater monatlich einmal eine Prostituierte ins Haus holen dürfen, weil dieser sexuell gegen das Personal und Mitbewohnerinnen immer übergriffiger wird und wir ihm sonst kündigen müssen. Auch wenn Ihnen das hundertmal zu peinlich ist, um drüber zu reden und das wirklich viel Geld aus dem Erbe zieht – uns nicht! Und wenn Sie das nicht wollen …. bitte schön, Sie können gern von sich aus kündigen, bevor wir das tun!

Und ganz bestimmt hängen wir Ihren reichen Erbonkel mit seinen 150kg NICHT mit dem Lifter Kopfüber zum Fenster, nur damit Sie sich nicht testen lassen müssen und Sie ihm zum Geburtstag doch nur ein Ständchen bringen wollen, geht´s eigentlich noch?????

Ja, manchmal sind wir von Ihnen allen total genervt!! Sogar von den Höflichen, aber da entschuldigen wir uns hinterher! Wir wissen, was wir tun und hätten wir mehr Zeit, könnten wir vieles davon sogar. Haben wir aber nicht, vor allem in der heutigen Lage.

Während der Dienstübergaben sind Störungen von außen ebenfalls nichts anderes als vermeidbare Fehlerquellen – und ein anhaltendes Türschellen oder Klopfen stört. Bei allem Verständnis für Ihre Eile – uns ist es wichtiger, alle 45 Bewohner eines Wohnbereichs trotz Personalnotstands und dem 10ten 12-Stunden-Dienst in Folge bestmöglich versorgt zu wissen und die Kollegen auf Änderungen, Probleme oder Risiken aufmerksam machen zu können, als auf Ihren Zeitplan Rücksicht zu nehmen.

Bevor deswegen relevante Informationen nicht weitergegeben werden, lassen wir lieber Sie vor der verschlossenen Tür stehen! Zu Erkennen sind diese Zeiten daran, dass auf einmal mehr als 2 Menschen in Dienstkleidung im Dienstzimmer sitzen – wir halten keinen Kaffeeklatsch, wir trinken nur welchen und oftmals ist das auch das erste Getränk am Tag, das wir im Sitzen zu uns nehmen! Wir sind zu wenige – wenn es Ihnen nicht passt, nehmen Sie Ihren Angehörigen gern mit nach Hause, wir freuen uns über jedes freie Bett!

WIR sind auf SIE nicht angewiesen, Ihr Angehöriger offenbar schon – sonst wäre er ja bei Ihnen und nicht bei uns daheim! Ja, das müssen Sie sich jetzt mal sagen lassen, auch wenn Sie das als Frechheit empfinden!

Wenn Sie das Personal ausnahmsweise mal entlasten möchten, vereinbaren Sie unter der Woche einen Termin für das Wochenende in der Verwaltung und kommen Sie pünktlich! Oder warten Sie bis zur nächsten Einlasszeit. So viel Respekt erwarten wir ab sofort von Ihnen vor unserer Arbeit!

Sie fordern von uns Professionalität – dann gestehen Sie uns auch zu, dass wir manche Dinge eben einfach mal besser beurteilen können als Sie!

Wir wissen den Impfstatus Ihres Angehörigen übrigens auch nicht, weil die wenigsten Hausärzte uns dies mitteilen – rufen Sie dort selbst an, vielleicht haben Sie mehr Erfolg, wir versuchen das seit Wochen zu erfahren ! Dann kann Ihr Angehöriger auch wieder an Gruppen teilnehmen, vorher geht das leider nicht! Auch das ist eine Vorschrift des Sozialministeriums, das wächst nicht auf dem Mist derer, die hier arbeiten!

Bringen Sie eigenständig und von sich aus einen tagesaktuellen Testnachweis in unsere Einrichtung mit und lassen Sie den nicht erst von uns ausstellen, weil Sie Abends noch ins Kino wollen und das so doch viel bequemer für Sie ist – wir haben wichtigere Dinge zu erledigen als auch noch für Ihr Privatvergnügen zu sorgen!

Sie investieren dadurch 10 Minuten – uns helfen diese 10 Minuten für unsere Arbeit, da wir diese sonst um ein Vielfaches vertun, Sie sind nämlich tatsächlich nicht der Einzige am Tag, der seinen Angehörigen- Besuch mit der Testung verbindet, weil er so die langen Warteschlangen überall sonst vermeiden will!!

Wenn nur 10 Besucher täglich getestet werden müssen, verliert Ihr eigener Angehöriger 2 Stunden unserer Arbeitszeit. Arbeitszeit, die letztendlich Sie selbst zahlen und unter dieser fehlenden Zeit leidet auch noch derjenige, den Sie gut versorgt wissen wollen – und wir als Altenpflegeheim sind machtlos. Sie hingegen können etwas tun!

Bitte haben Sie ein Einsehen, dass auch wir uns kein Personal aus den Rippen schneiden können, welches ununterbrochen am Eingang sitzt und Fragen beantwortet sowie durch Zauberei sämtliche Wünsche erfüllt oder Vorgaben Ihren Vorstellungen anpassen kann, so sehr wir das auch möchten.

Uns würde schon mehr Personal auf den Stationen genügen!

Um es Ihnen einmal in aller Deutlichkeit und zur Gänze bewusst zu machen: Müssen wir wieder eine Isolierstation öffnen oder trifft uns die Flucht aus dem Beruf noch härter, werden wir gezwungen sein, Heimverträge zu kündigen!

Weil wir die Versorgung aller unserer Bewohner danach nicht mehr werden aufrecht erhalten können – wir tun alles, damit es nicht soweit kommt, aber wir benötigen dafür Ihre Mithilfe.

Beschwerden richten Sie bitte mit sofortiger Wirkung an die Heimaufsicht direkt; wir als Einrichtungen halten die erforderlichen offenen Stellenanzeigen und Überlastanzeigen unserer Mitarbeiter schon bereit und warten nur darauf, endlich handeln zu können.

Wir hoffen, dies trägt ein wenig zu einem besseren Verständnis bei.

Wenn Personalmangel Personalmangel erzeugt …

Ich kann das Thema selbst nicht mehr hören, aber ich möchte trotzdem was los werden, weil es mich pfffttt …. so ne Mischung aus freut und ängstigt.

Ich lebe und arbeite in einer Großstadt; eine Uniklinik, eine Unfallklinik und 9 weitere Krankenhäuser in nahem 50km Umkreis. 70 Altenheime, drei große Psychiatrien, 10 geschlossene Häuser, 5 Hospize. Ballungsraum in jeder Hinsicht, Schmelztiegel pur in jeder Couleur.

Und überall ist scheinbar die Hölle losgebrochen.

Grob geschätzt fing das vor 10 – 12 Wochen an. Im Normalfall bekamen wir in unserer Einrichtung pro Monat ca 200 Anfragen für einen Heimplatz, heute kommt diese Anzahl locker wöchentlich rein, phasenweise sogar pro Tag, so dass wir die nicht mal mehr alle beantworten können. Da stehen heillos überforderte Angehörige in der Tür, die sogar mit einem Bett im Keller zufrieden wären; verzweifelte Mitarbeiter der Sozialstationen tun kund, dass wir schon Haus Nummer 50 sind, das sie anrufen – Hauptsache, da kann jemand vorläufig raus aus den Krankenhäusern oder schnell von Zuhause weg und die Heime sind voll. Wer oder was dafür verantwortlich ist? Keine Ahnung! Aber es ist so.

Diese Neuzugänge leben sehr selten lange. Manche sind auch schlicht fehl am Platz, weil sie beispielsweise eine ( von Angehörigen und Ärzten ) unterschlagene Hinlauftendenz haben ( wir sind ein offenes Haus ) oder fremdaggressiv sind; fantastisch auch, wenn der Mensch nicht mal einziehen kann, weil bekanntermaßen nur Platz im Doppelzimmer ist und irgendwie keiner dran gedacht hat, uns mitzuteilen, dass MRSA im Rachenraum vorliegt und daher eine Iso nötig ist – das kam erst raus, als der Transport schon da war, postwendend zurückgeschickt wie ein ungewolltes Paket.

Wenn man eine Woche in Urlaub war, kann es passieren, dass 5 Betten neu belegt sind – und die Leute werden immer jünger. Da sitzt dann eine 40jährige Frau nach Apoplex unter 90 Jährigen und bekommt wie diese ihre Mahlzeiten angereicht; dort läuft ein Schizophrener von 30 Jahren mit dem Dementen um die Wette und man selbst hinterher, weil die sonst schneller weg sind als man gucken kann und man nun wirklich keine Lust hat, schon wieder die Polizei auf die Suche nach irgendeinem Bewohner zu schicken, weil man selbst die Ressourcen an Personal gar nicht mehr hat für solche Eskapaden.

Hat natürlich alles seine Vorteile: erstmal muss das Personal nicht immer nur Schlager hören, sondern darf endlich auch Metallica mitgröhlen. Dann haben die alle einen hohen Pflegegrad, das gibt also mehr Geld in die Kassen. Und das erhöht den Pflegeschlüssel. Und hier wird´s dann wieder : aber auch nur auf dem Papier.

Durch die Altenheime geht nämlich eine Welle, die nicht mehr aufzuhalten scheint. Ich weiß nicht, ob das andernorts ähnlich ist, aber hier machen die ersten dicht, weil einfach niemand mehr dort arbeiten will. Die Mitarbeiter wandern scharenweise in die Kliniken ab. Irgendwie kein Wunder – wenn dort Pflegehelfer das verdienen können, was in der Altenpflege nicht mal Fachkräfte bekommen … tja, wo geht man dann wohl lieber zum Dienst? Und die Kliniken hier überbieten sich mit immens verlockenden Stellenangeboten – man fühlt sich fast schon wie ein Star, so umworben wird man. Den Krankenhäusern rennt das Personal weg … also fischen die jetzt aus der Altenpflege ( sonst immer leicht belächelt und als minderwertig abgeschrieben ) … die Pflegekräfte, die dann richtig gut verdienen, fehlen in den Heimen …. die verhängen einen Aufnahmestopp nach dem andren, weil es personell gar nicht mehr anders geht als mit Bettenschließungen … und es kommt einfach nichts nach an Personal. Manche gehen wegen der seit Wochen angedrohten Impfpflicht nur für Pflegekräfte, Erzieher usw. Und die meisten gehen auch aus der Altenpflege, weil sie einfach nicht mehr können.

Denn nicht nur der Dienst in den Krankenhäusern wird immer schlimmer, auch in den Heimen geht nichts mehr. Das wiederum liegt zeitweilig am Anspruchsdenken der Menschen in einem Pflegeheim. Im ambulanten Dienst sind die Leute noch dankbar, dass überhaupt jemand kommt. Stationär wird man viel zu oft schlechter behandelt als Dreck ( von kognitiv fitten Bewohnern, die andren zähle ich hier gar nicht dazu ), sexuell belästigt, geschlagen, gebissen, gekratzt, mit Kot beworfen und und und. Wertschätzung für viele ein Fremdwort, von Respekt gar nicht zu reden. Und das schlimme daran: diese Idioten gehen ( wenn man Pech hat ) nicht wieder, die muss man oft genug raus klagen, weil die nicht mal eine Kündigung des Heimvertrags akzeptieren. Im Krankenhaus bist Du die Ekel wenigstens zügig los, im Heim hat man, wenn´s blöd läuft, neben widerlichen Bewohnern auch noch Angehörige, die selbst einen Betreuer bräuchten, über Jahre an der Backe. Der Beruf wird immer unattraktiver.

Das wiederum führt dazu, dass die Bewerbungen immer extremere Formen annehmen. So sie nicht nur Fake sind für´s Arbeitsamt von jemandem, der einfach nicht mehr kann und von dem Job einfach ausgelaugt ist. Sehr hübsch war die Serviette mit dem Lebenslauf – aber immerhin war sie sauber.

Ansonsten derzeit gerne gefordert im Anschreiben: eine eigene voll möblierte Wohnung und mindestens 3000€ Verdienst, samt Auto und einer organisierten individuellen Integrationsbeauftragten für Behördengänge. Deutschkenntnisse minimal bis nicht vorhanden, die angeblichen Examina nicht mal beglaubigt und übersetzt. Also wenn das unsere Politik meint, wenn sie davon spricht, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen – dann Gut Nacht, Marie.

Ach ja, die generalistische Ausbildung soll das puffern – im Ernst??? Wir haben schon 7 muslimische Männer nach Hause geschickt aus dem Ausseneinsatz bei uns, weil diese sich “ von Frauen nichts sagen lassen“ wollten – tja, is halt doof, wenn man nicht bemerkt, dass in der Pflege fast nur Frauen arbeiten, wenn man sich für diesen Beruf entscheidet. Obwohl … die Jungs hatten sich dafür gar nicht entschieden, die haben die Ansage von Väterchen Staat: Aufenthaltsstatus gegen Ausbildung in der Pflege. Die gaben auch ganz offen zu, dass sie gar keinen Bock auf den Beruf haben. Jaja, Pflege kann ja jeder und auf hilfsbedüftige Menschen kann man ja auch jeden loslassen, is klar.

Nicht falsch verstehen, das hat nichts mit Rassismus zu tun. Wenn sich aber Ärzte schon weigern, mit manchen ausländischen Fachkräften eine Visite durchzuführen, weil diese die Anweisungen nicht verstehen und auch nicht nachfragen können und daraus bereits gravierende Fehler entstanden sind – dann muss jeder begreifen, dass ein B1 in unserem Beruf absolut nicht ausreichend ist. Schon ich als Deutsche würd mich nie in Niederbayern bewerben, weil ich die Leute da einfach nicht verstehen kann … und mit wem ich mich nicht verständigen kann, den kann ich nicht vernünftig und bedarfsgerecht pflegen. So einfach ist das manchmal.

Übrigens: dass wir jetzt jeden testen; den Impfstatus eruieren; die Polizei bei Verdacht auf gefälschte Testnachweise verständigen müssen – und mit Besucher-Deppen diskutieren, die das total unnötig finden, weil sie schließlich geimpft sind ( dass es in den nachvollziehbaren Fällen zu fast 70% geimpfte Besucher waren, die den Mist in die Heime geschleppt und sich nicht an die Regeln gehalten haben, will nämlich keiner hören ), macht es nicht leichter, weil auch dafür kein Personal da ist. Sicher kann man dafür die Bundeswehr anfordern …. die kommen für 21 Tage im Kalenderjahr, kosten nen Arsch voll Geld, das man selbst zahlen muss und man muss als Einrichtung Unterkunft, Verpflegung und Hin- und Rückfahrt zusätzlich auch noch stellen. Da kann man gleich noch jemanden einstellen, wenn denn jemand da wäre, der das wollen würde.

Erste Arbeitgeber ( die privaten Anbieter vor allem ) reagieren schon mit spontanen Gehaltserhöhungen im mittleren dreistelligen Bereich für zuverlässige Mitarbeiter in der Vergangenheit, um diese zu halten. Gegen das Versprechen, noch wenigstens ein Jahr durchzuhalten.

Deckeln kann diesen Weg zu nicht mehr bezahlbarer Altenpflege die Politik mit der Einführung einer Bremse des Eigenanteils meiner Meinung nach nicht lange. Ich will gar nicht wissen, was unsre Kinder mal in die Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen müssen, wenn sich nicht schnell was ändert.

Pflege als die neuen Fußballprofis – wenn´s keiner mehr kann, werden die wenigen, die es können, halt besser bezahlt.

Ist es nicht ein Irrsinn, dass der Politik der letzten 2 Jahre genau das mit Wucht um die Ohren fliegt, von dem sie die letzten 20 Jahre vorher nichts wissen wollte und gegen das sie nichts unternahm? Nämlich dass sich in der Pflege dringend was ändern muss, um sie zu gewährleisten ( wie bei der Rente, so nebenbei ). Und – was ich wirklich witzig finde – dass das ganze schöne Reden nichts brachte, dafür aber Verdi jetzt fast nichts mehr tun muss, um die Forderungen nach mehr Lohn und Anerkennung durchzusetzen, weil die Arbeitgeber sehr schnell begreifen müssen, dass sie mit Dumping-Lohn, schlechter Besetzung und Gewinnmaximierung nicht mehr weiter kommen?

Kennt Ihr das Gefühl, dass Ihr hinter Euch ein Schlachtfeld zurück lasst und mit erhobenem Mittelfinger lächelnd von dannen zieht, weil ihr einfach gehen könnt und woanders neu anfangen? Tja, das Gefühl kennt heutzutage jede Pflegekraft 🙂

Meine Kinder sind eindeutig von mir …

Ich bin ja schon schlecht auf meinen Ex zu sprechen – mein Sohn verabscheut ihn regelrecht. Mein „Kleiner“ ist sonst der hilfsbereiteste, netteste Kerl in dem Alter, den man sich vorstellen kann … meine „Große“ ist normalerweise eher ruhig und überlegt, aber auch sie ist nicht erfreut über ihren Erzeuger. Heute Abend war ich sehr froh, dicke Wände zu haben, so laut sind die Zwei lange nicht mehr gewesen.

Mein Sohn kam letztes Jahr schon nach Hause mit den Worten: „Mama, ich hab einen Anwalt, der auch in der Schweiz agiert, der hilft mir, wenn der Drecksack Probleme macht „. Mein Kind ist klug und knüpft frühzeitig Kontakte.

Sohnemann bat mich gestern, seinen Vater darüber zu infomieren, was dieser Anwalt gestern gesagt hat. Hab ich gemacht, wenn auch nicht gern; aber so fair sind wir schon … bevor jemand ins offene Messer rennt, der um´s Eck biegt.

Jener Mann hat die Unterlagen, die mir wegen des Unterhalts ( und die nötigen Genehmigungen und Vollmachten vom Jugendamt ) vorlagen, seit längerem, weil wir ja damit gerechnet hatten, dass wieder irgendein Müll kommt, wenn auch schon sehr viel früher. Der Anwalt arbeitet grenzübergreifend und kennt solche Fälle ( irgendwie war es merkwürdig, zu hören, dass es noch mehr solcher Männer gibt wie meinen Ex ). Der Anwalt hat mein Kind damals schon darauf hingewiesen, dass ihm wesentlich mehr Unterhalt zustünde, weil mein Ex ja nicht mehr für meine Tochter unterhaltspflichtig war und in solchen Fällen das Einkommen anders angerechnet werden muss und zwar unabhängig von seiner beginnenden Ausbildung ( klang recht kompliziert, aber der Mann weiß, wovon er spricht ). Mein Sohn wollte das nicht, solange mein Ex wie bisher ( erstaunlich pünktlich ) zahlt, isses ihm nach wie vor wurscht.

Da wir den pfändbaren Titel wegen des Unterhalt schon seit Jahren haben, ginge es auf jeden Fall verhältnismäßig schnell, den Betrag über das Betreibungsamt in der Schweiz einzufordern. Er hat es grob überschlagen – allein an dem, was mein Ex am Anfang nicht geleistet sind, sind das schon mehr als genug Euro, das sei kein Problem – unabhängig davon, ob er weiterhin zahlt oder nicht. Je länger er nicht zahlt, desto höher wird diese Summe logischerweise und desto unleidlicher das Betreibungsamt. So wär das halt in der Schweiz, gerade bei Kindesunterhalt.

Auf die Frage, ob mein Ex einfach den Unterhalt eigenmächtig nicht mehr zahlen darf, wenn er den Ausbildungsvertrag nicht bekommt, war die Antwort ein ganz klares: Nein, darf er nicht. Die Gegenfrage dieses netten Herrn war: „Sie können ihn schon alleine wegen einer solchen Drohung anzeigen, wissen Sie das !?“ Nein, wusste mein Sohn nicht, ich auch nicht. Da lächelte der Herr, dokumentierte und zwinkerte: „Ein guter Anwalt hält dies für einen weiteren Erpressungsversuch. Und in Verbindung mit allem andren …. “ – und dann zwinkerte ich auch. Mit einem unanständig breiten Grinsen.

Mein Ex darf die Zahlung zwar unter Vorbehalt setzen auf der Überweisung ( macht man, indem man einfach „unter Vorbehalt“ zum Verwendungszweck schreibt, das ist ganz einfach! ), dann muss er zum Jugendamt und um eine Neufestsetzung bitten und den ab diesem Zeitpunkt eventuell zu viel gezahlten Betrag zurück fordern. Die Summe, die er meinem Sohn noch schuldet, wird natürlich verrechnet und den Rest zahlen wir ebenso natürlich zurück, sollte es so kommen.

Setzt er einfach aus, weil ihm das gerade so passt – kann die komplette Summe ohne Fristsetzung eingefordert werden, weil bereits mehrere Zahlungen fehlen, obwohl er mehrfach zur Zahlung aufgefordert wurde, damals noch durch meine Anwältin.

Hintergrund dafür, dass der Vertrag ihn nicht mehr zu interessieren hat, ist, dass mein Ex bereits seit über einem Jahr Kenntnis von der Ausbildung hat ( ich bin so froh, dass ich jeden Chat mit dem Typen speichere und daher exakte Daten habe !! ), er genau das aber nicht getan hat, was er hätte tun sollen ( also zum Jugendamt zu gehen und auf dem Vertrag zu bestehen ) und stattdessen weiter gezahlt hat wie bisher. Das gilt als Anerkennung der Richtigkeit der Forderung ( oder so ähnlich: er erklärt damit wortlos, dass die Forderung in dieser Höhe ohne Vorbehalte zurecht besteht und sich zur Zahlung bereit ) und daran ändern kann jetzt wirklich nur noch das Jugendamt was, weil mein Sohn sagt, freiwillig gibt er diesem Typ gar nix in die Hand, wenn er nicht muss.

Und dann kam der Grund für den heutigen Kriegsrat: Wir wussten ja, dass mein Ex den Unterhalt spätestens alle 2 Jahre, jedoch sofort bei Aufnahme einer Tätigkeit oder eines Umzugs und noch ein paar Punkte mehr hätte neu festlegen lassen müssen ( es ändert sich ja immer die Berechnungsgrundlage, das hätte zwar auch zu unseren Ungunsten ausfallen können, aber es wäre der vorgeschriebene Weg gewesen ). Wir konnten das von Deutschland aus nicht erreichen, obwohl das Jugendamt das von hier aus mehr als einmal versucht hat. Was uns neu war: der Anwalt ist befugt, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, die dann wegen Betrugs ermittelt. Da Vorrsatz nachzuweisen sei ( das Beamtendeutsch verzeihen Sie mir bitte ) … nun – es ist wie im Tierreich … wenn man nicht in den Bau will, wenn ein Gewitter kommt, muss man für seinen Leichtsinn blechen.

Damals war auch meine Tochter betroffen und da ich in Ausbildung gewesen bin .. ach wie gut, dass mein Ex nicht alles von uns weiß! Sogar von Sozialbetrug war die Rede, der Herr kam richtig in Rage. Der fand das gar nicht witzig, dass er gebeten wurde, zuzuwarten.

Was soll ich sagen, es sind meine Kinder … es war einstimmig. Zahlt er ohne sein Drama weiter bis die Ausbildung rum ist – passiert nix.

In Büchern heißt es oft: er hat sein Schicksal in der Hand. Das gilt sowas von auch im echten Leben!

Der weiß ernsthaft nicht mal mehr, wie alt sein Sohn ist!

Ich dachte bis eben noch, der absolute Gipfel in Hinsicht auf die Kids wären das Paar Schuhe in Größe 46 für unsre damals 16jährige Tochter gewesen. Die immer noch keine so großen Füsse hat, nebenbei bemerkt. Und ausgewachsen ist sie im wahrsten Sinne des Wortes bereits länger.

Aber mein Ex schafft es auch nach so langer Zeit immer wieder, mich ernsthaft an seinem Verstand zweifeln zu lassen. Also noch mehr als eh schon. Oder er wird immer dümmer, kann auch sein.

Ich hab ja offen gesagt seit Monaten darauf gewartet, dass er wieder wegen des Unterhalts für meinen Sohn Theater machen wird. Schießlich ist das letzte Mal ein gutes Jahr her, dass er arbeitslos wurde und einen neuen Job anfing und die Schweiz vergibt nunmal gern Jahresverträge – dass seiner also abläuft und nicht verlängert wird, war mir klar. Dass er dann wieder nicht mehr zahlen kann, auch. Und dass er wieder die Unterlagen von meinem Sohn braucht, um den Antrag auf Arbeitslosengeld korrekt auszufüllen, ist genauso logisch. Es war nur eine Frage der Zeit und der Grund, warum ich ihn entblockiert habe ( ich kenne ihn ja ).

Heute war es dann soweit. Dieses Mal versucht er es mit der Ausrede, er sei bei einem andren Anwalt gewesen und dieser hätte ihm gesagt, er solle die Zahlung des Kindesunterhalts einfach einstellen, weil er ja keinen Ausbildungsvertrag von meinem Sohn vorliegen hätte. Den Namen und die Addresse dieses Anwalts wollte er mir nicht geben und der Anwalt will offensichtlich auch nicht schreiben.

Entweder sind die Anwälte in der Schweiz also dumm ( was ich keinesfalls glaube ! ), oder er kam an einen Scharlatan … immerhin haben sich unsre Anwälte erst im letzten Jahr darauf geeinigt, dass er weiterhin Unterhalt zahlt wie vor 5 Jahren festgelegt, oder dass er zum Jugendamt in Deutschland geht und ihn dort neu festlegen lässt, weil wir dem Jugendamt eben gern die Unterlagen zur Verfügung stellen, aber nicht ihm direkt. Dem hat er zugestimmt und gezahlt, was festgelegt wurde als er noch aus Deutschland Arbeitslosengeld bezog, also deutlich weniger als er hätte zahlen müssen, aber was soll´s.

Möglichkeit Nummer drei und die für mich wahrscheinlichste – er hat gelogen. Da das bei ihm so üblich ist, nehme ich das frech für mich als Wahrheit.

Ich könne mir Zeit lassen, er flöge erstmal in Urlaub – für was kommt man in der Schweiz eigentlich 4 Wochen ins Gefängnis oder wie lange dauert eine Entziehungskur? Hach, was bin ich böse …. aber es macht mir gerade wieder tierisch Spaß, mir sowas vorzustellen. Nicht, dass es ich es ihm wünsche – nein, so böse bin ich gar nicht. Nur ein bisschen 😉

Der Hammer aber war die Begründung, warum er ab sofort mal wieder nicht mehr zahlt: wegen des gemeinsamen Sorgerechts hätte er ein Recht auf die Unterlagen. Äh … erstmal: Was?? Und zweitens: Nö. Meinen dezenten Hinweis, dass mein Sohn volljährig ist und damit kein Sorgerecht mehr besteht, hat er ignoriert …. nein, er hat es wahrscheinlich einfach nicht verstanden, nicht kapiert – oder tatsächlich vergessen, wie alt unser Sohn heute ist. Mein Ex hat noch eine Unterhaltspflicht, wie ich ja auch, aber mit Sorgerecht ist nix mehr. Erlischt mit dem 18ten Geburtstag …. und ganz im Vertrauen – weiß der Typ ernsthaft nicht, dass ich überhaupt kein Recht mehr habe, irgendwas für meinen Sohn zu tun, der muss jetzt alles selbst machen?! Und entscheiden. Ich bin da raus. Mit Ignoranz hat das doch nichts mehr zu tun, dass ist offene Dummheit.

Also muss auch mein Sohn einen Anwalt einschalten – hat ja alles seine Vorteile, langfristig gesehen. Denn dann kann auch mein Sohn – wie meine Tochter schon lange – mit Fug und Recht nachweisen, dass er seinem Erzeuger gegenüber nichts schuldig ist und dieser auch nicht erwarten kann, irgendwie irgendwann von den Kids unterstützt zu werden. Passt. Der Nachteil: das wühlt alles wieder auf und das würde ich meinem Kind gern ersparen. Nur: es liegt nicht in meiner Hand.

Wir schalten daher vorsichtshalber in den Kampfmodus – darin sind wir in der Zwischenzeit richtig gut geworden. Ich würd ihm die Unterlagen sogar schicken – aber garantiert nicht, solange er immer noch versucht, mich anzulügen und das auf eine derart plumpe Weise, dass sich meine Intelligenz verarscht fühlt.

Ich hab ihn natürlich noch auf die Scheidung angesprochen – samt einem Foto von mir im Brautkleid mit der Frage, wann ich denn ernsthaft anfangen kann, zu suchen. An ihm liegt´s angeblich nicht. Tja, das Amtsgericht sieht das anders – er weigert sich nach wie vor, sich an den Schulden zu beteiligen, den Versorgungsausgleich anzuerkennen und daher wird das nichts. Hat er auch ignoriert – vielleicht hat er auch das verdrängt, wie das Alter der Kinder. Kein Wunder – er hat sie vor 5 Jahren das letzte Mal gesehen, seine Erinnerungen haben also mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun.

Und ja, ich probiere Brautkleider an. Ich hätte es zwar nicht für möglich gehalten, aber ich habe jemanden gefunden, der meine Anforderungen erfüllt. Er kann tanzen, ist intelligent, hat genügend Humor, um es mit mir auszuhalten, arbeitet, lässt mir meinen Freiraum, ist ehrlich und treu, ein paar Jahr jünger – und besteht auf getrennten Wohnungen, bis unsre Kids jeweils aus dem Haus sind ( das könnte ziemlich zeitgleich sein, die sind im gleichen Lebensabschnitt ). Und danach auf getrennten Schlafzimmern, wegen unsres Schichtdienstes. Wir verbringen viel Zeit miteinander – aber es tut gut, einen Rückzugsort zu haben, wenn man mal einen schlechten Tag hat. Oder er Fussball gucken will, zum Glück nur Weltmeisterschaften und so Zeugs; und ich den Songcontest .. oder so Zeugs. Es passt einfach – und da wir beide der Meinung sind, dass wir lange genug geübt haben, bis ich endlich geschieden bin … tja, ich schau mich einfach um. Abwarten, was passiert und genießen.

Übrigens stehen mir Brautkleider … 95/70/95 sind gar keine schlechten Maße für eine Frau von fast 50, ich kann alles tragen – und suche weiter nach der passende Robe für eine Königin wie mich *schmunzel* .

Ach so – ich habe meinem Ex noch geschrieben, dass er ein verantwortungsloser verlogener Mensch ist, der uns nur Schaden zufügt und dem niemand vertrauen sollte. Und dass er sein dummes Geschwätz für sich behalten kann – wenn er was will, soll er das über die Anwälte machen, ansonsten meldet sich der Anwalt meines Sohnes. Dann hab ich ihn wieder blockiert.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mir momentan nicht nur einrede, dass ich glücklich bin, sondern dass ich wirklich von ganzem Herzen Glück empfinde – aber es wühlt mich nicht mal auf. Ich habe ja damit gerechnet. Es ist mir überraschenderweise egal.

Logisch wird meinem Sohn das Geld fehlen – aber er bekommt es nur später, zustehen tut es ihm und er kann 30 Jahre lang pfänden. Warum sich also aufregen?

Auf jeden Fall merke ich, dass ich tatsächlich auch innerlich fertig mit diesem Mann bin. Lang genug gedauert hat es ja. Er kann mir nichts mehr tun – er kann mir nicht mehr drohen, er trifft mich nicht mehr.

JETZT bin ich wirklich frei von ihm – trotz Trauschein.

Ausmisten …

Da meine Tochter ausgezogen ist, hab ich Platz. Und weil ich nicht wieder jede Menge Müll anhäufen will, den keiner braucht, hab ich angefangen, eine Wand voller Fotos zu machen, statt Bilder aufzuhängen, so als Collage.

Dazu musste ich erstmal alle sortieren. Beim Umzug hab ich das nicht gemacht, aber Fotos wegwerfen ging einfach nicht und momentan hab ich Zeit dafür. Und ehrlich gesagt auch jetzt erst die Kraft.

Denn irgendwie ist es ein merkwürdiges Gefühl – da liegen Jahre meines Lebens vor mir, so viele tolle Momente – bei denen ich heute nicht einmal mehr mit gutem Gewissen sagen könnte, ob sie auch wirklich so toll waren wie in meiner Erinnerung. Weil eben alles durch das Verhalten meines Ex und den immensen Vertrauensbruch von ihm vergiftet ist. Auch und vor allem eben Erinnerungen.

Wobei mir beim Durchgucken auch aufgefallen ist, wie sehr sich mein Inneres auf mein Äußeres ausgewirkt hat. Je unglücklicher ich wurde ( und dass ich in meiner Ehe nur in den Jahren um die Geburt der Kinder glücklich war, wusste ich schon als wir noch zusammen waren ), desto hässlicher und ungepflegter wurde ich.

Je weniger Lust ich auf Sex mit ihm hatte, umso mehr hab ich dafür gesorgt, dass ich wirklich so unansehnlich wurde, dass mich nicht mal im Dunkeln einer angepackt hätte. Ihn hat das nicht gestört, es hat ihn wohl nur abgehärtet für meine Nachfolgerinnen ( das ist gemein, aber es stimmt ).

Je weniger ich mich traute, meine Wünsche zu äußern, umso mehr aß ich, um den Frust zu ersticken.

Objektiv betrachtet – ich hätt mich auch betrogen, so wie ich aussah.

Ich hätte nur nicht so viel Scheiße rum erzählt, aber hei, jeder geht anders mit seinem schlechten Gewissen um.

Was mir aber aufgefallen ist – und von dem ich mir wirklich sicher bin, dass es nicht gespielt war – ist, wie viel Liebe er zu den Kindern ausstrahlte, vor allem, als diese noch kleiner waren.

Da war stets so viel Hingabe im Blick, so viel Versprechen, immer für sie da zu sein. Echte Liebe einfach.

Und das ist das, was ich einfach überhaupt nicht begreifen kann bei all dem – dass er es wirklich fertig gebracht hat, sie so sehr zu verletzen und sie sich aus dem Herzen zu reißen.

Manchmal denke ich dann nach, wann das gekippt ist – ab wann er begonnen hat, sie nur noch als Kostenfaktor zu betrachten. Denn das hat ja schon viel früher begonnen, nicht erst beim Unterhalt.

Heute bin ich drauf gekommen. Als mein Onkel starb, wurde eine Lebensversicherung fällig und die lief auf die Kinder. Testamentarisch wurde festgelegt, dass das Geld erst zum 18ten Geburtstag jeweils ausgezahlt werden dürfe und dass die Vermögensverwaltung weder von ihm noch von mir durchgeführt werden darf. Damals hab ich mich darüber aufgeregt – heute finde ich es sehr klug, aber das ist ein anderes Thema.

Damals hat es auf jeden Fall angefangen, dass er Geld lieber für sich behielt, statt den Kids beispielsweise Schuhe zu kaufen.

Denn mit diesem Geld wären wir alle Geldsorgen los gewesen – und die hatten mit der Geburt der Kinder begonnen. Das kennt jede Familie … von zwei Vollverdienern zu einer mehrköpfigen Familie und zumindest bei uns einer Mutter, die 6 Jahre in Elternzeit war und danach nur halbtags arbeiten ging – der Unterschied ist deutlich spürbar. Die Kids aber sofort in eine Krippe zu geben, kam für mich tatsächlich überhaupt nicht in Frage, ich wollte bestmöglich für sie da sein, trotz finanzieller Einbußen. Das war einfach so und ich finde es heute noch richtig.

Er wohl nicht. Er hat sich eh immer nach oben orientiert – mit den großen Hunden gebellt, aber zum pinkeln das Bein nicht hoch genug bekommen, war schon immer ein Problem für ihn.

Und dann starb sein Vater und es war grad genug da für die Beerdigung und die nötigen Kosten, um die Wohnung damals entrümpeln zu lassen, also auch nichts „zum Abgreifen“, wie er so gern sagt. Das war kurz vor dem Umzug in das Nest in der Pampa – und der hat uns nicht nur finanziell das Genick gebrochen, sondern auch unserer Ehe.

Denn da fand ich nichts außer einem 450€ Job; die Kosten für die Wohnung stiegen jährlich; zu mehr Arbeit brauchte ich ein Auto, da haben sich die Kosten mit dem Verdienst nicht wirklich ausgezahlt … die Abwärtsspirale wurde immer schneller. Denn wenn ständig das Geld fehlt sogar für die kleinsten Extras … dann wird man unzufrieden, dann streitet man häufiger – und irgendwann zieht man sich zurück ( meine Art der Verarbeitung von Problemen damals ), weil man keinen Ausweg mehr weiß. Oder man flüchtet in eine Scheinwelt ( seine Wahl ).

Das macht das alles nicht besser – wir haben als Paar einfach nie wirklich funktioniert. Wir hätten beide andre Partner an unserer Seite gebraucht, um gemeinsam zu wachsen. Wir waren eher ein Duo Infernale, das war jedem klar, nur wir wollten das nicht sehen.

Ich hab also mit den Bildern auch wieder so ein Stück Seelenmüll ausgemistet. Seltsam, dass nach so langer Zeit immer noch so viel davon da ist.

Warum entschuldigst Du Dich eigentlich ständig …

Warum ich mich für alles und jedes ständig entschuldige … Freunde sprechen mich häufig darauf an, ich selbst merke das gar nicht oder eben erst hinterher. Da lauft mein Hirn und mein Mundwerk auf Autopilot und das kommt sonst eher selten vor. Meine scharfe Zunge ist im Normalfall berüchtigt. Nur da halt eben nicht und ich wollte einfach wissen, warum mich manche Sachen so triggern…

Beispiele:

Kind kommt platschnass nach Hause, weil es morgens ausdrücklich keinen Schirm mitnehmen wollte – und ich sage: es tut mir leid.

Kollegin schneidet sich in den Finger, weil sie nebenbei am Handy spielt und ich sage: Oh, sorry.

Ich laufe durch den Supermarkt und ein Typ rempelt mich an – raten Sie mal, wer sich entschuldigt ? Und so geht das im Grunde schon mein Leben lang.

Ich konnte wie so oft bei Vollmond nicht schlafen, mein Kopf hielt die Klappe nicht, unter andrem deswegen. Also hab ich Podcasts gehört und bin dabei über den einer Psychologin gestolpert und dort hängen geblieben.

Schlafen konnte ich dann zwar immer noch nicht – aber ich hatte was Sinnvolles zum Nachdenken.

Und 60 Minuten später hatte ich plötzlich eine Erklärung dafür und auch, warum ich mir das Verhalten meines Ex so lange habe bieten lassen. Um eine weitere Stunde ( und noch zwei weitere Folgen ) später zu denken: okay, damit und daran kannst Du arbeiten. Gibt natürlich auch Leute, die sowas für Humbug halten, aber wie gesagt – ich beschäftige mich alleine von Berufs wegen mit dem Thema und für mich ist es schlüssig. Kann jeder sehen, wie er will!

Ich kam zum “ wie kann ich mir selbst verzeihen“ – denn dass ich mich im Grunde fortlaufend dafür entschuldige, was ich in der Zeit, in der ich so massiv getrunken habe, so alles verkackt habe und was daraus folgte, das dämmert mir schon länger. Ich hab auch nüchtern Dinge verkackt, aber für die habe ich mich zumindest bewusst entschieden, mit denen komm ich klar. Genau an dem Punkt hörte ich den ersten Podcast.

Und ab da fielen die Scheuklappen. Denn dass genau dieses Verhalten mich zum Opfer auf dem Silbertablett für meinen Ex gemacht hat – das hat mich fast umgehauen. Dann nahm das Geratter im Kopf erst Fahrt auf.

Ich versuche mich kurz zu fassen, aber ich fürchte, dieser Eintrag wird was länger … . Die Nacht war natürlich gelaufen, aber seitdem geht es mir seelisch besser.

Ich war ja oft genug in Therapie wegen der Sauferei, irgendwann da kam mal ans Licht, dass ich mit Alkohol meine Planlosigkeit überdeckt habe – und den Alkohol zwar überwunden hatte, nicht aber die Planlosigkeit – weil ich immer dachte, ich taugte eh nix. Ich hatte so genaue Pläne für die Zukunft als Jugendliche, dann wurde ich körperlich krank und die waren alle geplatzt wie Seifenblasen – Plan B gab´s damals für mich nicht. Damit kam ich nicht klar, getrunken wurde eh immer und überall, es fiel zunächst gar nicht auf, wie viel ich täglich in mich reinschüttete. Mir selbst auch nicht. Plan B – Hilfsjobs und die Trinkerei machte das nicht besser.

Als die ersten Entzugserscheinungen auftraten, hab ich das zu verstecken versucht – natürlich mit noch mehr Alk. Irgendwann konnte ich das nicht mehr, ich konnte nur versuchen, zu überspielen, dass ich meistens morgens überhaupt keine Ahnung mehr hatte, wie ich ins Bett kam und oft genug hatte ich nicht mal eine Ahnung, wo und neben wem ich da aufgewacht bin. Wenn es damals schon Videoaufnahmen gegeben hätte – ich hätte mich verkrochen vor Scham bis an mein Lebensende. Die Fotos aus der Zeit sind schon peinlich genug.

Nüchtern hätte ich nie den Ehemann meiner Cousine angebaggert und den dann auch noch geheiratet ( nüchtern betrachtet, zumindest ). Nur: ich kam aus der Nummer nicht mehr raus, dann hätte ich ja zugeben müssen, dass ich vom Tag nicht mal die Hälfte mitbekomme und von der Nacht überhaupt nix mehr, weil ich unter 2 Promille das Haus nicht verlassen konnte und dann stetig weiter trank bis zum Blackout. Ich weiß das nur noch aus Erzählungen.

Und da bin ich die Falle geraten, aus der ich bis heute nicht wirklich raus bin. Selbstliebe = 0, Selbstverachtung = unendlich.

Ich war ach so dankbar, dass ich – die versoffene, nichtsnutzige Alkoholikerin, die ich war – jemand abbekommen habe, der trotzdem bei mir blieb und das Gefühl blieb, auch wenn ich trocken war.

Was ich lange nicht sehen konnte: jemand, der mich wirklich liebt, hätte schon viel früher dafür gesorgt, dass ich da raus komme. Der hätte mich auch garantiert nicht nach 10 Jahren Trockenheit dazu genötigt, wieder anzufangen ( getrunken hab ich selbst – aber stundenlang gemeckert, dass ich nüchtern eine Spaßbremse wäre und er sich eine sucht, die mit ihm trinkt, hat er ).

Wenn ich jetzt die Zeit zusammen rechne, in der ich wirklich total abgewrackt war und eine Zumutung für meine Mitmenschen – dann komme ich auf insgesamt ca 8 Jahre. Und 6 davon mit ihm!!!!! Und dem Himmel sei dank nur 1 mit den Kindern! Trotzdem zu viel, ich weiß.

Aber hey: die anderen 42 war ich ganz okay. Nicht immer die beste Mutter, Tochter, Freundin – aber annehmbar. Menschlich halt.

Nicht falsch verstehen, ich geb ihm jetzt nicht die Schuld daran, dass ich getrunken habe . Aber es gibt mir zu denken, dass er mich nicht davon abgehalten hat. Er hat ja gesehen, wie ich war … nix mehr essen, nur noch saufen und kotzen, jedem war klar, dass ich daran sterbe, wenn ich so weiter mache. Jeder wollte mich in eine Therapie schicken – aber er hat einfach mitgetrunken und mir so vermittelt, dass das völlig in Ordnung so ist. Und ER konnte jederzeit auch ohne Alkohol klar kommen, ich konnte das nicht. Ich war krank.

Das hab ich mir zwar jahrelang wie ein Mantra vorgebetet: Alkoholismus ist eine Krankheit, da kann keiner was dafür, es ist eine Krankheit und dass der Alkohol dir schadet merkst du erst, wenn´s lang zu spät ist …. immer und immer wieder.

Aber im Verstand kam das nicht an! Dass Menschen, denen man etwas bedeuten, in der ersten Zeit der Trockenheit oft fragen, wie es einem geht, ob man klarkommt, wie der Suchtdruck ist – völlig okay.

Wenn man aber jemanden an der Seite hat, der einem unterschwellig immer wieder zu verstehen gibt, dass man ja Scheiße ist, nichts wert und ekelhaft wegen dem, was man war … dann ist das nicht okay.

Wenn einer immer dafür sorgt, dass du dich NICHT an dem orientierst, was du heute bist, sondern dich nur auf deine Vergangenheit reduziert – dann ist das ÜBERHAUPT NICHT okay!

Als absoluten Gegensatz dazu habe ich von ihm täglich seitenlange Liebesbriefe bekommen, wie toll ich wäre und dass er ohne mich nicht leben kann … und an die hab ich mich geklammert. Ich hab dem geschriebenen Wort mehr geglaubt als dem, was ich spürte, zum Teil auch an den blauen Flecken.

Egal was im Leben schief ging – Auto kaputt, Heizung springt nicht an, es herrscht eine Affenhitze, der Kaffee ist nicht heiß, die Socken haben einen Loch, es ist nicht aufgeräumt genug, die Kinder schlafen nicht, draußen liegt Schnee … ich bekam die Schuld. Und das Schlimme daran ist: ich hab sie bereitwillig angenommen. Durch meine Trinkerei hatte ich innerlich gefühlt so viel Schuld auf mich geladen, die ich nie würde abtragen können, also kam´s auf das bisschen auch nicht mehr an.

Weil ich mich so nichtsnutzig fühlte, hab ich einfach alles Unglück der Welt auf mich bezogen. Feuer in Florida – ich hab geraucht ( auf meinem Balkon in Deutschland – Funkenflug bestimmt! ) Überschwemmung an der Elbe – ich bin zu fett, ich verdränge zu viel Wasser ( dabei wohn ich nicht mal an der Elbe ! ). Es regnet im Urlaub – ich hab Gott zum Weinen gebracht, weil ih so furchtbar versage in allem, was ich tue.

Und auch wenn man hundertfach weiß, dass das völliger Schwachsinn ist – solange da einer ist, der dich genau in solchen Gefühlen bestätigt, dich da auch noch rein drängt, kommst du aus der Nummer nicht raus.

Emotionale Abhängigkeit ist Scheiße. Ich konnte mir selbst nicht verzeihen, weil er das nicht zuließ. Und mich immer damit erpresste, er würde die Kinder und mich im Stich lassen und ich sollte froh sein, dass ich ihn hätte, nach allem was er mit mir durchgemacht hat. Und da ich überhaupt kein Selbstwertgefühl hatte – hab ich ihm geglaubt. Und hab alles nicht sehen wollen, was er uns wirklich antat und das war viel schlimmer.

Und genau deswegen hatte ich auch immer das Gefühl, nur bei ihm in Sicherheit zu sein, auf ihn angewiesen zu sein – denn immerhin hat er mich durch die Sauferei begleitet. Und war immer noch bei mir. Wegen ihm hab ich tolle Kinder – ohne ihn hätte ich das nie geschafft. Wie konnte ich nur so blind sein gegenüber mir selbst – warum habe ich nicht sehen können, was ich alles geleistet habe … und wie wenig er ????

Dass ich seit ich trocken bin, eine ganz andere bin und sein darf – eine, die alles schaffen kann, die Freunde hat, die selbstbewusst aus dem Haus tritt …. ich habe es nicht begreifen können. Ein Mensch, der jahrelang auf die Dialyse angewiesen ist, lebt mit einer neuer Niere doch auch ein ganz anderes Leben! Und hadert nicht weiter mit seiner Vergangenheit. Warum tue ich das also?

Immer, wenn ich mich unbewusst für Dinge entschuldige, die gar nicht meine Verantwortung betreffen – dann ist das die Frau von 27, die seit sie 20 ist keinen Tag ohne Alkohol verbracht hat und stirbt. Oder die 36 jährige Mutter, die sich auf Entzug aus Verzweiflung, weil sie den Absprung nicht schafft, die Pulsadern aufgeschnitten hat. Oder die jahrelange Prägung darauf, es nie gut genug machen zu können.

Ich arbeite dran, dass diese Frauen endlich die Klappe halten. Sie sind vergangen!

Ich denke, nicht nur für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen, als das Bild, das ich von ihm hatte, zu Asche verbrannte und ich daraus wie Phoenix erwachte. Wie ich gehandelt habe danach – das muss für ihn schwer zu ertragen gewesen sein, weil ich mich seiner Sichtweise von mir entledigte und das dauerhaft. Das ich ohne ihn klar komme und sehr gut. Vielleicht ist das der Grund, warum er die Scheidung immer noch verweigert – es ist das letzte klitzekleine Fitzelchen Kontrolle, das er über mich haben kann.

Zu knabbern hab ich nur an einem – das soll erblich sein. Und mein Sohn zeigt zeitweilig ähnliche Verhaltensstörungen wie mein Ex. Damit habe ich heute gelernt, umzugehen. Ich gebe kontra. Schön ist es dennoch nicht.

Psychologisch wahrscheinlich fatal, aber seitdem mir mal rausgerutscht ist, dass er sich manchmal benimmt wie sein Vater, reflektiert er öfter, was er sagt, wenn auch nicht immer. Vielleicht sind das auch nur Reste der Pubertät. Ich hoffe es!

Lebensabschnitte

Es ist ein seltsames Gefühl – da bringt man Kinder auf die Welt, erzieht sie zu selbständigen Menschen, die alleine im Leben klar kommen sollen und findet das auch richtig und wichtig so. Und dann sitzt man Rotz und Wasser heulend da, wenn sie ausziehen und alleine und selbständig ihr Leben führen, weil die Erziehung zumindest in dieser Hinsicht geklappt hat.

Ich kann verstehen, dass meine Tochter mit fast 21 eine eigene Wohnung braucht – ich bin in dem Alter auch von Zuhause weg, das ist völlig normal. Zumal der Platz bei mir wirklich zu eng wurde. Der Freund meiner Tochter wohnt schon eine lange Zeit ebenfalls bei uns, deren Freundeskreis ist ähnlich groß wie meiner – deren Partys hatten immer Bruch zur Folge, seien es Gläser, Teller oder Fliesen und ich wurde ein wenig ärgerlich manchmal. Und wenn ich an solchen Wochenende Frühdienst hatte, hab ich alle sehr früh raus geworfen ( ich muss ja schlafen können ) und irgendwie kam ich mir dabei immer vor wie ein Spielverderber.

Weiterer Knackpunkt – das Kochen. Ich wurde echt stinkig, wenn ich vom Spätdienst heim kam und mir nicht mal was zum Essen machen konnte, weil die Küche ein Schlachtfeld war und nicht zu betreten. Die Beiden kochen nämlich wirklich gut und gerne – nur leider räumen sie so selten danach gleich wieder auf.

Klo und Bad waren auch ein Problem – mit 4 Erwachsenen schon eine Herausforderung, vor allem, wenn zufällig alle zur gleichen Zeit aus dem Haus müssen und nur eins davon jeweils zur Verfügung steht.

Mein Schwiegersohn in Spe ist zwar ein wirklich angenehmer und netter Mensch – aber gerade in der Zeit, in der wir abgesehen von der Arbeit ständig aufeinander hocken mussten, hat sich gezeigt, dass die Wohnung nicht genug Platz bietet, um sich aus dem Weg gehen zu können, wenn mal alles zu viel wird.

Ich war irgendwann schon so weit, dass ICH ausziehen wollte – bis mir selbst aufgefallen ist, dass das wohl völliger Blödsinn wäre. Ich hab nicht immer nur gute Ideen….! Irgendwie war ich der Meinung, dass ich den Kids diese Wohnung überlassen und mir ein Apartment nehmen könnte, damit ich nicht mehr mit meinen Ansprüchen nerve wie saubere Küche, Klo und Bad und ab und zu mal Ruhe. Da kam die Übermutter in mir durch.

Naja, jetzt haben sie was Eigenes, sie leben weiterhin bei mir in der Nähe, wir sehen uns oft und die Stimmung zwischen allen ist sehr viel besser geworden. Dass ich mir Sorgen mache, ob das so gut ist, ob sie sich verstehen, ob sie finanziell und mit dem Papierkram klar kommen … mein Problem. Dass ich mich fühle, als würde gerade ein entscheidender Lebensabschnitt von mir zu Ende gehen, während es für sie erst beginnt – auch mein Problem. Ich knabbere trotzdem ziemlich dran. Immerhin habe ich jetzt wieder ein Schlafzimmer, das tröstet aber nur marginal.

Ich hab immer gesagt, dass ich nur merke, dass ich älter werde, weil die Kinder groß werden – das stimmt immer noch. Und als sie dann wirklich weg war, hatte ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, dass meins langsam dem Ende zu geht. Ganz langsam zwar – aber trotzdem gefühlt mit Riesenschritten. Natürlich wird mein Sohn noch ein paar Jahre hier sein, zumindest bis er die Ausbildung beendet hat – aber dann wird auch er gehen.

Und dann hab ich zwar immer noch eine Familie – aber ich bin keine mehr. Können Sie verstehen, wie ich das meine? Aber okay – lebenslang sturmfrei hat auch was für sich! Ich merke jetzt schon, wie viel leichter es ist, Liebhaber zu empfangen, wenn man nur noch auf einen Dienstplan Rücksicht nehmen muss 🙂

Ein riesiger Sprung steht mir allerdings noch bevor – die beiden wollen heiraten und da seine Familie nicht komplett hier lebt, wird nur die standesamtliche Trauung in Deutschland stattfinden .. die pompöse Hochzeit an sich aber in Amerika auf der Ranch seiner Großeltern. Immerhin in der Nähe von San Franzisko, da ist es also schön, ich muss nur elend lange fliegen. Das werde ich mir trotzdem auf keinen Fall entgehen lassen! Mein Sohn wird meine Tochter zum Altar führen … ich werde jede Menge Taschentücher benötigen, das weiß ich jetzt schon. Ich hoffe nur, die zwei lassen sich Zeit damit, mich zur Oma zu machen . Weil dafür fühle ich mich noch entschieden zu jung!!! ( ….. weil ich da ja auch ein Mitspracherecht habe, pfffft!!! )

Von der Idee bin ich tatsächlich überhaupt nicht begeistert und ich kann dem auch nichts abgewinnen. Also nicht nur dem Oma werden, sondern dem Heiraten. Nicht bei meiner Tochter, weil ich sie noch für zu jung dazu halte, sondern an sich. Ich bin als Deutsche mit einem Deutschen verheiratet und komm aus der Scheiße nicht raus, wie soll das erst werden, wenn sie einen Amerikaner los werden will??? Jaja, es kann auch gut gehen. Vielleicht bin ich zu misstrauisch. Nur – auch das ist mein Problem. Ich kann zwar meine Bedenken anmerken, aber entscheiden wird sie das. Mir wär´s einfach lieber, sie blieben ohne Trauschein zusammen

Ich glaube, das ist das Schwierigste derzeit für mich – ich kann meine Tochter jetzt nicht mehr beschützen. Vor allem Schlimmen konnte ich sie zwar eh nie bewahren, aber jetzt muss ich sie in ihre eigenen Fehler laufen lassen. Sie bespricht nicht mehr alles zuerst mit ihrer Mutter – sondern mit ihrem Mann.

Und nur weil mein Ex ein völliger Versager, Lügner, Egoist und Feigling ist, sind ja längst nicht alle Männer so – der Freund meiner Tochter ist ein ganz anderer Typ ( und will zum Glück in Deutschland bleiben ), ich glaube also nicht daran, dass er sich so verhalten könnte … aber im Hinterkopf hab ich das dennoch…

Ich wünsche ihr von ganzem Herzen, sie hat mehr Glück !!!

Kennt Ihr das – Lebenslieder?

Ich hab da so einige von – das Lied, welches an dem Abend lief, als ich meinen ersten Freund küsste ( Kayleigh von Marillion )

Das Lied, das beim ersten Liebeskummer hoch und runter lief wie die Tränen ( Junimond von Rio Reiser ).

Das Lied auf der Beerdigung meines Opas ( Ave Maria ).

Lieder beim ersten Tanz, im ersten Urlaub ohne Eltern, ganze Alben, die wie für mich gemacht schienen, weil sie die eigene Stimmung besser treffen als man das von sich aus beschreiben könnte.

Die Lieder der Lieblingsbands, Sänger und Sängerinnen, die einfach nie schlecht werden, auch wenn man sie schon 1 Million Mal gehört hat – das hat jeder von uns.

Diesen “ Zack: 16″ Effekt kennen bestimmt auch alle, wenn im Radio plötzlich genau dieser eine Song läuft.

Meine Lieblingsband hat kurz vor der Silberhochzeit ( natürlich tut sich da nichts ) ein neues Album heraus gebracht . Das erste Konzert von den Jungs hab ich besucht, als ich noch mit meinem Ex zusammen war, seither laufen die ständig bei mir – das musste ich haben!

Und wenn es nicht ein total absurder Zufall wäre, ich die Jungs kennen würde und sie auch noch meine Story kennen würden – dann würd ich denken, die haben diesen einen Song einzig und allein für mich geschrieben.

Haben sie natürlich nicht, aber trotzdem: Danke Jungs, Ihr seid einfach mit das Beste, was Epic Power Metal zu bieten hat!

Sogar der Text könnte passender kaum sein, es ist so großartig wie eigenartig!

Und wer sich das gerne mal anhören mag, bitte schön:

Falls es nicht richtig angezeigt wird bei Euch: Absolution for our final Days heißt der Song, die Band ist Orden Ogan.